:: Reisebericht Crossing Sahara
"Jedesmal, wenn ich die Wueste überstehe, führt sie mich auf die erregende Reise in mein eigenes Ich, in dem wehmütige Erinnerungen, Befürchtungen und Hoffnungen des Lebens miteinander ringen. Wer in der Wüste überleben will, muss sie verstehen, ihr zuhören. Denn sie wird immer stärker sein als der Mensch."
"Geboren mit Sand in den Augen", Mano Dayak
Das Meer ohne Wasser, sagen die Berber. Den grössten aller verbotenen Gärten, nennt Mano Dayak seine Heimat.
"Frankfurter Allgemeine Zeitung"
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Sieben Menschen beschlossen, die algerische Sahara mit zwei PKW`s und einem LKW zu durchqueren, um Hilfslieferungen von Europa (Wien & München) nach Agadez, der Wuestenstadt im Niger, zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass unser Berliet der erste LKW nach drei Jahren sein wird, der Algerien durchqueren wird. Die Kunde davon soll Agadez vor uns erreichen. Es bewahrheitet sich das Sprichwort: "Die Wüste ist ein Dorf"!
Wir fahren am Freitag, den 21.10.2005 von Wien ab und kommen nach 18 Tagen und 4.230 gefahrener Kilometer, am 7.11.2005 in Agadez an.
Die Abenteurer und ihre Autos
Team Toyota AJ60, Baujahr 1988, 4 Reifen, 2 Achsen, 4x4, 2.5 Tonnen, 316.518 km
Christoph, "Mac Giver" der Sahara
Unser Reiseleiter, Chauffeur, Psychologe, Geschäftsmann, Pannenhelfer, das Ziel nie aus den Augen verlierend, aber auch nicht den Weg. Bekannt in ganz Algerien wie ein bunter Hund (Bussi Christoph, ganz lieb gemeint), der überall mit offenen Armen empfangen wird (ob nun an der Grenze oder auf dem Assekrem bei ueber 2.700 m). Der trotz des vielen Scherzens nie die Ernsthaftigkeit der Situation vergass. Ob nun an der Grenze oder speziell beim letzten Stück unserer Reise, wo wir die Härte der Sahara auf den letzten Metern zur Algerischen Grenze vor Niger zu spüren bekamen. Mit viel Charme und festem Willen und einer unermüdlichen Ausdauer, brachte er uns mit Bravour nach Agadez. Danke und Bussi für einen wirklich hervorragenden Reiseleiter! Ich vertraue mich dir jederzeit wieder an!
Karola, "Reisende" und "Reisedokumentatorin"
Tja, ich bin eh selbsterklärend im laufe des Berichtes.... ;-)
Lahbib, uebersetzt "der Geliebte"
Unser (Pflicht-)Guide ab der algerischen Grenze, der mit seinem jugendlichen Charme und seinen gepflegten Manieren beeindruckte. Er begleitete uns manchmal beim Abendessen und er war von uns so angetan, dass er uns sogar zweimal zu sich nachhause zum Essen eingeladen hat.
Team Toyota Camry, Baujahr 1988, 4 Reifen, 2 Achsen, 2x2, 1.5 Tonnen
Helmut, "Kaffeesieder"
Der Onkel von Christoph überraschte immer wieder durch seine unermüdliche Ausdauer, vor allem wenn es um das Kaffeekochen ging. Er nützte jede mögliche Pause (und wenn es eine Panne war), um uns und sich mit Kaffee zu beglücken, worüber wir uns letztendlich immer freuten. Egal wie stark die Sonne ihre Strahlen nach uns schickte, Helmut stellte Wasser für einen Kaffee auf.
Anette, "Blumenwächterin"
Die Lebensabschnitssreisebegleiterin von Helmut entschloss sich kurzerhand und frischverliebt ihrem Geliebten zu folgen. Sie chauffierte nicht nur, sondern sie zeigte viel Geduld und pflegte gemeinsam mit Helmut 18 Tage lang Pflanzen, die dann in Agadez in einem wirklich hervorragedenden Zustand ankamen.
Team Berliet, Baujahr 1968, 6 Reifen, 3 Achsen, 6x6, 8 Tonnen
Erwin, "grummeliger King of Berliet"
Erwin, nun schon zum fünften Mal auf diesem Trip hatte die Ehre den Berliet zu chauffieren. Er war der King, denn er konnte sich die Welt nicht nur von oben betrachten sondern ihm konnte auch niemand etwas anhaben. Denn wer wollte sich schon mit einem Berliet einlassen. Erwin war sofort immer zur Stelle wenn einer mal eine Panne hatte. Mit seinem unuebertrefflichem rauhen Charme war er ein wichtiger Bestandteil des Teams.
Paula, "Rauchender Wuestenfuchs"
Was wäre Paula ohne die Wüste? Seit 25 Jahren besucht sie als Urlaubsland fast auschliesslich die Sahara. Sobald sie die Strassenleere Wüste sieht, fühlt sie sich zuhause. Sie hat hier sogar ihre Familie gefunden. Paula hat sich auch sofort in den Berliet verliebt und hat die harte Sitztortur mit einer großartigen Ausdauer überstanden. Ich hätte mir diese Reise ohne Paula nicht vorstellen können.
Jasper, "Saharataeufling"
Der Sohn von Anette fuhr einfach mit ohne zu wissen was ihn da erwarten wird. Er war mir eine grosse Unterstützung, denn gemeinsam haben wir wirklich tolle Fotos gemacht. Denn was mir nicht gelang, schaffte er von seinem "Hochsitz" des Berliet aus. Das heisst, die Fotos, die wir hier von der Reise zeigen, sind entweder von ihm oder von mir.
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1 Tag, Freitag 21.10.2005,
"Reise nach Genua NonStopp auch ohne Lichtmaschine"
Abfahrt um 12.10 Uhr von Kaltenleutgeben bei Wien. Zuvor war abholen, restliche Sachen transportieren, LKW und Toyota fertig beladen. Christoph hat ja schon tags zuvor mit dem beladen begonnen. Fünf Tage zuvor hat er erst den Toyota aus Deutschland geholt, überholt und nun fahren wir damit schon Agadez!
Nach zwei Stunden erster Zwischenstopp bei der Raststation Kaiserwald bei Graz. Wir gönnen uns eine Stunde Pause und halten erst wieder beim Truck-Stopp Dreiländereck an der Grenze. Es ist jetzt sieben Uhr abends. Wir machen eine kleine Pause. Christoph versucht die Go-Box loszuwerden. Erfolglos. Klärt das telefonisch ab; sie kommt mit nach Afrika. Überqueren die Grenze - die keine mehr ist - etwa um 20.00 Uhr. Wir haben vor bis Genua durchzufahren. Wir haben bis jetzt 344 km in 8 Stunden geschafft. Der Berliet gibt das Tempo vor; mehr als 75 km/h sind da nicht drin. Bis Genua fehlen uns noch gute 570 km, die wir bis 7.00 Uhr früh geschafft haben werden.
Unsere kommende Route ist: Udine - Venezia - Padova - Verona - Brescia - Cremona - Piacemza - Genova.
Wir machen einen Tankstopp und zwei Stopps für eine kleine Pause. Gegen 6.15 Uhr wird Christoph durch ein kleines grünes Kontrolllicht aus seiner Müdigkeit gerissen. "Keilriemen oder Lichtmaschine", sagt er. "Scheisse". Wir stoppen bei der nächsten Gelegenheit. Der Keilriemen ist es nicht. Es scheint die Lichtmaschine zu sein. Der Toyota lässt sich nicht mehr starten. Erwin gibt Starthilfe mit dem Abschleppseil. Nur ein paar Meter und schon springt er an. Starhilfe werden wir in den kommenden Tagen dann noch öfter gebrauchen.
Wir erreichen gegen 7.10 Uhr morgens den Hafen von Genua.
2. Tag, Samstag 22.10.2005
"Genua: Einchecken und Abfahrt mit der Fähre "Majestic" Palermo von GRIMALDI"
Gleich nachdem wir um 7.00 Uhr früh angekommen sind, begann Christoph mit den Eincheckformalitäten. Nur leider machen die an Samstagen erst um 9.45 Uhr auf. Das erwarteten wir auch noch. Dann, während Paula und ich uns mit Spazieren gehen ein wenig die Zeit vertrieben, legten sich unsere Fahrer ein wenig nieder. Christoph packte gleich am Parkplatz eine der Campingliegen aus, die auch uns in Zukunft zum Schlafen dienen sollten.
Gegen 12.00 Uhr kamen wir zurück und ich führte unsere kleine Truppe zu einem Restaurant, dass wir auf unserer Erkundungstour entdeckt haben. Preis und Leistung haben nicht nur den Eindruck erweckt, sondern wurden auch erfüllt. voll gestärkt gingen wir zu unseren Autos zurück, um uns dann gegen 15.30 Uhr mal schön langsam in die Kolonne vor der Fähre einzureihen. Alles dauert, wir warten und stehen in der Schlange. Es sollte ein kleiner Vorgeschmack auf das "Große Warten" am algerischen Grenzübergang werden. Gegen 17.50 Uhr beziehen wir unsere Kabinen. Habe mit Paula eine Kabine. Ich nehme sofort eine heisse Dusche.
Die Fähre ist riesig und vermittelt etwas kreuzfahrerisches. Helmut, Anette und Jasper sind nun auch schon angekommen und sind schon beim einchecken.
15 Minuten später als geplant legt die Fähre um 19.15 Uhr ab. Wir essen noch etwas in der Cafeteria und finden uns dann alle gegen 22.00 Uhr im Bett wieder. Wir sind alle müde und freuen uns auf ein sauberes Bett und eine Dusche. Wir beschließen, dass Frühstück sein zu lassen und uns gegen 12.00 Uhr am Deck zu treffen.
3. Tag, Sonntag 23.10.2005
"An Board der "Majestic" und Einreise in Tunesien"
Habe 12 Stunden geschlafen. Wache gegen 9.45 auf. Obwohl ich auch auf der Fahrt nach Genua ein wenig geschlafen haben (böse Zungen behaupten, die ganze Fahrt durch Italien hindurch), war ich todmüde. Die Strapazen der letzen Monate und speziell der letzten Tage vor der Abreise zeigten doch ihre Spuren.
Liege in meine Koje und spüre das Schiff. Ein leises Brummen der Motoren. Ein sanftes Auf und Ab lässt erinnert mich an das was Christoph in der Kantine gesagt hat: "Alles ordentlich beissen, dann tut es m Hals nicht so weh!" (nach dem kotzen). Paula ist auch schon angezogen und verzieht sich nach oben ans Deck auf der Heckseite. Da es auf dem ganzen Schiff verboten ist zu rauchen, ausser dort oben, wo es auch ein kleines Cafe gibt, ist sie gezwungen, sich als Raucher dorthin zu begeben. Ich ersuche sie, mich zu holen, falls die See nicht zu rauh ist. Irgendwie habe ich nicht vor, mich nach oben zu begeben und mich dann einer wilden Kotzerei hinzugeben. Mein Name wird ausgerufen. Ich soll zur Rezeption kommen. Es hat mich nicht, wie angenommen, Christoph ausgerufen, sondern es wurden nicht alle Daten ausgefüllt. Ich ging dann auch ans Deck und das Meer war wider meiner Erwartung total ruhig. Ich verbrachte dann den ganzen Tag bis zum Anlegen draussen auf dem Deck am Heck. Nur unterbrochen von zweimal essen gehen in der Kantine.
Wir legten um 21.00 Uhr unserer Zeit, bzw. 20.00 Uhr tunesischer Zeit im Hafengelände in La Goulette an. Um eine Stunde später als geplant. Die Verspätung ist wohl weniger dem Wetter zuzuschreiben, denn dieses war ja die ganze Zeit über ziemlich ruhig, als vielmehr dem Ramadan. Auf diesen Fähren fahren vor allem Tunesier nachhause. Oder vielleicht auch Algerier. Und nicht nur so Sahara-Touristen wie wir. Und da um ca. 18.00 Uhr tunesische Zeit die Sonne untergeht, sie dann eine gute Stunde Zeit brauchen fürs Essen und beten, würde das genau in die geplante Landezeit von 19.00 Uhr fallen. Früher ist es nicht möglich, also ist es später. Ich finde das schon sehr völkerverbindend. hat mir sehr gefallen.
Eine viertel Stunde nach dem Anlegen fahren die ersten Autos raus. Wir sind alle drei in verschiedenen Decks untergebracht. Christoph und ich sind sowieso im letzen Deck, dass raus darf: Garage A. Wir schauen von oben den ersten zu. Rechts von uns ist die "Halle des Schreckens", wie Christoph sie nennt. Der tunesische Zoll. Er ist noch nie mit einem LKW dieser Größe und dazu noch vollgepackt bis obenhin diese Strecke gefahren. Nun beginnen für ihn ein paar anstrengende und geduldige Stunden, die für ihn an der tunsisch/algerischen Grenze ihren Höhepunkt haben werden.
Endlich viertel vor neun dürfen wir zu unserem Auto. Wir warten weitere dreissig Minuten. Die Hupkonzerte beginnen schon. Die Autos stehen nebeneinander wie Sardinen in der Büchse. Da beginnt auf einmal jemand sein Auto zu starten. Pfeifen ertönt. Andere starten ihre Autos auch. Und dann geht auf einmal alles sehr schnell. Die Autos, die schon auf der Rampe stehen, fahren los, andere beginnen zu reversieren, durchstarten, ein hin und hergeschiebe und auf einmal sind wir schon draussen. Unterwegs Richtung "Halle des Schreckens".
Wir werden in eine Warteschlange eingewiesen. Wie sich dann herausstellt, die langsamste. In der Zwischenzeit erfahren wir, dass Erwin mit dem Berliet schon draussen ist und Helmut auch. Nur wir sitzen noch hier und warten.... Endlich die erste Kontrolle passiert. Nun ist die Zweite dran. Hier scheint es schneller zu gehen. Doch Christoph muss sich dann nochmal anstellen und bis wir das dann alles hinter uns gebracht haben und wir dann alle von dort losfahren ist es zwanzig Minuten vor Mitternacht.
Christoph will auch diesmal ohne größerer Pause bis an die Grenze zu Algerien durchfahren. Es warten also noch 482 km auf uns. Zwölf Stunden später sollten wir die "Höhle des Löwen" erreichen, wie Christoph die Grenze zu Algerien nennt. Er hat einfach keine Ahnung, wie die Zöllner auf unseren Berliet reagieren würden.
4. Tag, Montag 24.10.2005
"Quer durch Tunesien in 12 Stunden" und die "Höhle des Löwen"
Die Route durch Tunesien lautet: Tunis - Enfida - Kairouan - Gafsa - Tozeur - Nafta - Hazoua Grenze Tunesien/Algerien.
Um 1.44 Uhr früh leuchtet die Batterielampe auf. Wir haben nun ein richtiges "Ampelspiel": Rot für die Batterie, Grün für die Lichtmaschine und Orange für den Filter..... Erwin und Christoph hängen zuerst über den Motor gebeugt und dann Erwin unter dem Lenkrad. Mit Starthilfe geht es weiter, da nichts gefunden wird, ausser dass wir kein Licht haben, und dann nicht mal mehr die Uhr die Zeit anzeigt, läuft das Auto tadellos! Erwin führt nun mit dem Berliet unsere kleine Karavane an. Helmut macht das Schlusslicht. Wozu Licht, wenn das Auto sowieso fährt? Da das die letzte Nachtfahrt sein wird, nehmen wir das ganze ziemlich gelassen.
Gegen 7.30 Uhr erreichen wir Gafsa. Um 8.15 in Tozeur hofften wir auf ein Frühstück, denn ausser auf einer Raststätte nach Tunis haben wir nichts zu uns genommen. Wir finden ein Hotel, dass unserer kleiner Truppe einen Kaffee kocht. Gar nicht so einfach, während des Ramadan tagsüber einen Kaffee zu bekommen. Es ist wohl möglich essen einzukaufen, es jedoch zu kosten oder gar auf offener Strasse zu essen, wäre nicht gerade sehr vorteilhaft und man würde unweigerlich unangenehm auffallen. Sogar das Rauchen ist untersagt. Für paula nicht gerade einfach. Zwei Stunden später geht es weiter. Christoph war erfolglos. Er hat keine Lichtmaschine gefunden. Aber was soll's. Das Auto fährt auch ohne sehr gut. Sogar so gut, dass es sich nicht mal mehr abstellen lässt, er muss es "absaufen" lassen.
Um 11.20 Uhr erreichen wir die tunesische Grenze. Helmut und Anette fehlen. Sie wollten noch schnell was kaufen, als wir losgefahren sind. Wir warten nicht auf sie und fahren nach Erledigung der Formalitäten durch das Niemandsland auf die algerische Grenze, der "Höhle des Löwen" zu. Die Zeit des langen Wartens beginnt.
5. Tag, Dienstag 25.10.2005
"Endlich Algerien! - Grenzformalitäten und El Oued"
Wir haben die letzte Nacht im Niemandsland vor der algerischen Grenze verbracht. Es ist finster, ein eisiger Wind weht, als ich hörte, wie Christoph ins Auto steigt. Ich schaue nach oben, sehe nur Wolken und keine Sterne wie am Abend davor beim Einschlafen. Dieser Wind und die Wolken, denke ich, die sehen nach Regen aus. Ich packe meinen Schlafsack und steige auch ins Auto und versuche es mir dort irgendwie gemütlich zu machen. Eine halbe Stunde später regnet es. Die noch draussen Verbliebenen packen nun auch schnell ihre Sachen zusammen und flüchten ins Auto. Christoph und ich freuen uns, dass wir schon im Auto sind.
Gegen 8.30 Uhr klettern wir ziemlich zerknautscht aus dem Wagen, versuchen uns etwas frisch zu machen. Eine halbe Stunde später scheint uns die Sonne!
Nach 28! Stunden an der algerischen Grenze nehmen wir offiziell und um ein paar Schachteln leichter unsere Reise um 15.15 Uhr auf. Rückblickend wissen wir, dass mit unserem Berliet der erste LKW seit gut drei Jahren wieder die algerische Grenze passieren und Algerien durchqueren durfte. Wir durften in keinster Weise erwähnen, dass wir annähernd so etwas wie Hilfsgüter geladen hatten. Aber was hatten wir schon großartiges? Medikamente, die uns ein Krankenhaus geschenkt hat, gebrauchte Schultaschen gefüllt von Kindern einer Volksschule mit Stiften und Stofftieren, Second Hand Textilien von Verwandten und Freunden, optische Brillen von der Caritas und viel kleiner Krimskrams. Viele Sachen sind dabei für das Kulturhaus und die ONG, die Eva gegründet hat. Nichts in dem Sinn von Wert aber im speziellen sehr wohl.
Saharareisende, die in die algerische Sahara fahren oder sie durchqueren, so wie wir, dürfen nur so viel mitnehmen, wie für den eigenen Gebrauch vorgesehen ist. Äjm, da ist natürlich guter Rat teuer, weil wie wollen wir einen ganzen LKW voll erklären? Christoph hätte den Berliet als "Wohnmobil" bezeichnet, wäre er direkt gefragt worden. Tja, das war halt nicht der Fall. Zum Glück. Und Medikamente durften auch nicht mitgenommen werden. Schon gar nicht in diesen Mengen. Da wir, als wir schon fast alle Formalitäten erledigt hatten, dann doch noch den Berliet öffnen mussten, weil die Zöllner ihre Arbeit verrichten mussten (auch wenn eigentlich fast keiner diesen Job erledigen wollte, denn sie kannten Christoph), war es leider so, dass eine der vielen Medikamantenschachteln nun doch ins "Auge stach". Wir mussten deshalb 6 Schachteln dort lassen. Sie wollten uns die Schultaschen auch ausräumen lassen, da fand Jasper in einem der gefüllten Federpennale ein Briefchen, geschrieben von einem der Kinder. Christoph hielt das dem Chef dort direkt vor die Nase....damit sie sehen konnten, was sie gerde machen. Ihm und den anderen ist es dann wirklich ganz anders geworden, und somit mussten wir nur die 6 Schachteln abladen und alles andere wurde belassen. Die Wiedersehensgeschenke wurden von ihnen auch zurückgegeben. Schlechtes Gewissen plagte sie. Das mildert im Nachhinein die Sache ein wenig, obwohl wir den Medikamenten nachtrauerten, denn die sind für den Müll bestimmt. Christoph könnte sie bei einer Ausreise am selben Grenzposten wieder abholen und wenn nicht, dann werden sie einfach weggeworfen oder was auch immer. Aber auf keinen Fall ihrer Bestimmung zugeführt.
Wie auch immer, uns war nach diesen vielen Stunden noch immer nicht bewusst, welch Glück wir hatten. Wir hätten mit unserem Berliet auch wieder die Rückreise antreten können. Jetzt wartete nur mehr die Gendarmerie auf uns, wo wir unsere Pässe erhalten sollten. Letztendlich ist es doch nach 15.00 Uhr geworden, bis wir uns endlich weiter auf unsere Reise machen konnten.
Eigentlich wollten wir heute schon in Ghardaia sein. Doch 505 km sind nicht mehr zu schaffen. Wir werden uns deshalb im 64 km entfernten El Oued, im Hotel Lousse einquartieren. Sieht man von ein paar kleinen Kakerlaken ab, sind die Zimmer sauber.
Ich hätte mir jedoch nicht gedacht, dass, je weiter wir in den Süden kommen, unsere Quartiere teilweise sogar noch besser erhalten, sauberer und "kleintierfreier" werden.
Abend gegessen habe wir im Hotel, ganz gegen der Tradition von Christoph, die besagt "Iss nie dort wo du schläfst!". Aber ist Ramandan, und El Oued ist bekannt dafür, dass Kinder und Jugendliche Fremden gegenüber fast feindlich gestimmt sind, vor allem wenn Frauen dabei sind. "Wehe es fliegt der erste Stein......", meint Christoph, aber je weiter wir in den Süden und Richtung Afrika kommen, desto entspannter und freundlicher werden die Menschen.
Ich habe wieder ein Zimmer mit Paula bezogen. Gegen 23.00 Uhr sind wir dann ins Bett, und ich freue mich, dass meines nur einmal benützt scheint. Solange keine Flecken drin sind.... Das sollte meinen Schlaf nicht stören.
6. Tag, Mittwoch, 26.10.2005
"Algerien - Reise nach Ghardaia"
Gegen 7.00 Uhr werden wir von Christoph geweckt. Wir wollen früh aufbrechen, es liegen etwa 415 km vor uns bis nach Ghardaia, wo wir zwei Tage verbringen werden. Wir geniessen ein vortreffliches Frühstück und brechen gegen 8.30 Uhr auf. Unser Guide, Lahbib wartet in der Lobby schon auf uns. Keine Ahnung, wo er genächtigt hat, aber das ist auch nicht unser Job, uns darum zu kümmern. Nach etwa 270 km, bzw. 3.5 Stunden machen wir eine Essenspause in einem Hain vor Guerrara.
Kommen um 17.30 Uhr in Ghardaia im Hotel an. Sehen vom Dach des Hauses gerade noch den Sonnenuntergang. Paula und ich beziehen noch schnell unsere Zimmer und dann sind wir alle schon Christoph hinterher, der zielstrebig in eine Richtung rennt. Dort wo es ein Restaurant gibt. Der Muezzin hat schon gerufen. Die Essenszeit hat schon begonnen. Ich verstehe jetzt, warum er so gelaufen ist. Alle Restaurants sind voll! Wir entscheiden uns für ein kleines Restaurant, wo die ersten gerade mit dem Essen fertig und Plätze frei werden. Es gibt "Tschorba", eine Suppe, die uns die ganze Fahrt durch Algerien begleiten wird. Dann Huhn und Salat. Alles war vortrefflich! Eigentlich werden wir sehr oft diese "Menüreihenfolge" zu uns nehmen.
Wir haben ein nettes Zimmer mit einer Loggia, die nur nach oben auf die Dachterrasse geöffnet ist. Paula hat somit draussen ihr Plätzchen gefunden, um in Ruhe rauchen zu können.
7. Tag, Donnerstag, 27.10.2005
"Algerien - Ghardaia: Autoreparatur & Markt"
Wir haben um 8.00 Uhr Tagwache und machen uns unser Frühstück im Teehaus selber. Der Ramadan lässt uns zu dieser Erfahrung kommen. Waren heute auf der Bank Geld wechseln. Für 100 Euro bekomme ich 8.627AD (Algerische Dinar). Sind dann auf den Markt, für die kommenden Tage einkaufen, damit wir tagsüber auch was zum Essen haben. Die Restaurants sind ja während des Ramandan nur abends geöffnet.
Christoph ist gegen 9.00 Uhr zur Autowerkstätte gefahren, die Reifen zu wechseln, wo dann am Abend auch mal gleich zwei kaputt waren. Das heisst, wir hatten Patschen. Zum Glück sind wir nicht noch am selben Tag gefahren, so wie er es vorgeschlagen hat, weil ja die Reparatur schneller fertig war als geplant!
Am Abend laufen wir Christoph wieder zum Restaurant hinterher. So nach dem Motto, "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.... ohne Essen!" Wir - vor allem Christoph - wollen diesmal zu den ersten gehören! Wir sitzen bei gedecktem Tisch bevor der Muezzin ruft! Vor uns schon Buttermilch und Datteln. Das wird hier während des Ramadan angeboten. Das ist das erste, was ein jeder sofort isst, um die Wartenszeit zu überbrücken, bis das Essen dann endlich auf dem Tisch steht. Wir wählten diesmal ein anderes Restaurant. Wir haben einen tollen Platz im Hof und werden bestens bedient! Und das Essen ist herrlich! Es gibt Huhn....nicht das erste mal auf dieser Reise, und es schmeckte vortrefflich.
8. Tag, Freitag, 28.10.2005
"Algerien - Reise nach El Meneaa / El Golea, 297 km"
Bin schon gegen 7.00 Uhr früh auf der Terrasse um beim Sonnenaufgang dabei zu sein. Das Licht ist um diese Tageszeit immer am besten zum Fotografieren.
Heute geht die Reise weiter nach El Meneaa. Wir fahren um 10.30 Uhr ab. Die ca. 240 km sollen wir in 5.5 Stunden geschafft haben, obwohl wir nach 50 km eine Reifenpanne haben. Es hat sich nun auch noch ein dritter Reifen bei uns verabschiedet und hoffen, dass wenigstens der vierte hält. Christoph ist ziemlich sauer deswegen. Zwei Stunden später ist fast wieder alles vergessen, auch dass die Lichtmaschine schon wieder kaputt ist.
Denn wir sehen heute das erste Mal den Grand Erg Occidental. Wir bleiben stehen und machen unseren ersten Dünenspaziergang. Diese riesigen Sanddünen sind die Vorlage für Bilderbuchvarianten der Sahara. Wer einmal diese Dünen gesehen hat, wird sie immer mit der Sahara in Verbindung bringen.
Als wir gegen 16.00 Uhr im Hotel Boustan ankommen, fährt Christoph gleich weiter in die Werkstätte, um das Auto checken zu lassen.
Das Hotel ist leider ein wenig vernachlässigt, jedoch könnte es als Vorlage für Casablanca dienen. Paula als auch Christoph kennen es aus den 80ern. Damals sei es ohne Voranmeldung nicht möglich gewesen, ein Zimmer zu bekommen. Am Pool herrschte Leben, an der Bar gab es alles was auch das alkoholliebende Herz begehrte und es herrschte ein feudales Treiben, mit Musik in der Luft.
Wir waren am Abend - wieder mal - Huhn essen, Lahbib war auch dabei. Es gab als "Starter" wieder Buttermilch und Datteln. Hmm, herrlich lecker.
Gleich daneben war ein Friseurladen, der aus einem La Chapelle Film hätte sein können. Zwei junge Burschen/Männer waren drinnen und dürften auf jeden Fall große Fussballfans sein. Überall Fotos von den großen Fußballern unserer Zeit, und natürlich auch die algerische Mannschaft durfte nicht fehlen.
9. Tag, Samstag, 29.10.2005
"Algerien - Reise nach In Salah, 396 km"
6.30 Uhr: die Hähne schreien sich die Lunge raus! Gelsen und eine Schwüle haben mich nicht wirklich erholsam schlafen lassen. Eine Dusche richtet mich wieder auf. Wie es scheint sind wir hier die einzigen europäischen Gäste. Das Hotel macht leider einen sehr verwahrlosten Eindruck, obwohl es sich nicht leugnen lässt, dass hier mit viel Stil gebaut und eingerichetet wurde.
Wir schaffen es um 8.45 Uhr vom Hotel abzufahren, dass sich dann wie immer sowieso bis zu 30 Minuten durch warten, tanken oder Gendarmeriekontrolle verzögert.
Nach 30 Kilometern stoppen wir bei den Dünen, um die Wüste noch ein letztes Mal in dieser Form zu geniessen, denn der Große Erg wird unseren Weg nicht mehr kreuzen.
"Klettern" nun mit unseren Autos zum Plateau der Tademait-Hochebene rauf, laut Reiseführer "Garten des Satans". 200 km Steinwüste sind nun zu durchqueren. Helmut bleibt stehen um Pannenhilfe zu geben. Das heisst, alle bleiben nun stehen und helfen mit. Nur war es eigentlich sinnlos, denn weder der Reifen hat gepasst noch das passende Werkzeug war vorhanden. Christoph meint, sofern niemand wirklich winkt und nach Hilfe verlangt, braucht man nicht stehen bleiben. Es war auch hier so. Während wir noch Hilfe leisteten, kam auch schon jemand, um ihm zu helfen und vor allem seine Fracht entgegen zu nehmen.
Wir fahren um 13.20 Uhr weiter. 45 Minuten hat uns diese Hilfe, die eigentlich keine war, gekostet. Und noch immer liegen 190 km vor uns.
Das Plateau ist absolut eben, flach und eigentlich mit dunklen kleinen Steinen übersäht. Nur ab und an sieht man einen zerfetzten Reifen. Sonst nichts.
Eine Stunde später haben wir eine kleine Panne, die uns wieder eine Stunde gekostet hat. Noch immer 90 km zu fahren! Gegen 17.00 Uhr treffen wir im Hotel in In Salah ein.
Wir haben eine Einladung zum Essen ins Haus des Chefs der Agentur. Es wurden im Hof des Hauses Teppiche und Matratzen ausgelegt. Lahbib und der Sekretär bewirteten uns. Fatma, die Frau des Hausherrn lässt sich erst nach dem Essen blicken. Es gibt nun zuerst Salat, dann Cous Cous mit Gemüse und Fleisch. Gemeinsam essen wir mit einem Löffel aus einer flachen Schüssel.
Ich gehe nach dem Essen zu Fatma und erhalte die Möglichkeit, die Frauen und Kinder zu fotografieren.
Das Hotel Tidikelt ist wunderschön. Auch aus den 70ern, aber im Gegensatz zum Hotel in El Meneaa nicht verkommen und ursauber. Es hat absolut einen "Sternencharakter"! Noch dazu ohne Kakerlaken und Gelsen, nur ein Gecko huschte über meine Zehen!
10. Tag, Sonntag, 30.10.2005
"Algerien - Aufbruch nach Tamanrasset, 658 km, mit Übernachtung im Hoggar"
Wir brechen um 7.30 Uhr auf. Ein schnelles Frühstück war drin. Lahbib schaut auch nicht ganz ausgeschlafen aus. Könnte aber auch mit dem Ramadan zu tun haben. Inshallah sei dank, dass er schon am kommenden Donnerstag beendet sein wird.
Wir suchen noch einen Bäcker. Wir brauchen Brot, da wir eine Nacht im Freien verbringen werden. Während wir warten, bis das Brot fertig ist, suchen wir ein Geschäft, um Wasser zu kaufen. Das Wasser aus In Salah aus der Wasserleitung ist für mich ungeniessbar: zuviel Salz mit leichtem Chlorgeschmack. Die Suche war erfolglos. Wir kehren zurück zur Bäckerei und ich darf rein um sie zu fotografieren.
Abfahrt erfolgt schließlich gegen 8.00 Uhr . Bis Tamanrasset liegen 658 km vor uns.
Nach fast drei Stunden machen wir eine Pausenstopp bei den letzten Dünen. Wir passieren den Eingang ins Hoggar gegen 13.30 Uhr. Sehr beeindruckend. Hier begrüsst uns auch gleich der erste Mullah Mullah, ein kleiner Vogel, den es nur in der Sahara gibt und einem oft während der Reise so begleitet, wie Delphine Schiffe begleiten. Anschliessend sammeln wir noch etwas Holz für unser Nachtlager. Auf Anregung von Helmut besuchen wir das "Moulay Hassan". Da es schon 16.00 Uhr ist, beschließen wir, hier auch unser Nachtlager aufzuschlagen.
Ich koche. Anette und ich bereiten ein Sugo vor mit Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Thunfisch und Oliven. Für die Nudeln sind die Herren zuständig. Tja, es war zu Beginn nicht alles so einfach, weil wir eigentlich keinen ordentlichen Kocher mithatten und nur eine Pfanne! Aber wir haben es geschafft und die Nudeln haben hervorragend geschmeckt!
11. Tag, Montag, 31.10.2005
"Algerien - Tamanrasset"
Da ich blöderweise schon wieder am Campingbett geschlafen habe tun mir nun alle Knochen weh! Aber was soll's. Spätestens nach ein paar Kilometern ist alles vergessen. Hier in der Wüste bekommen solcher "Ereignisse" nicht einen so großen Stellenwert, und hätte ich es mir nicht aufgeschrieben, ich würde es wahrscheinlich gar nicht mehr wissen.
Und wir haben noch etwa 260 km vor uns. Wir schaffen es, um 8.20 Uhr aufzubrechen. Schlaglöcher mit einer Tiefe von bis zu 20cm müssen von uns bewältigt werden. Wir durchqueren ein großes abgesperrtes Militärgebiet. Wir sehen heute schon viele Nomanden mit ihren Kamelen, Eseln und Ziegen.
Auf einmal sind wir allein. Der Camry und der Berliet sind nicht mehr zu sehen. Halten ein Auto auf und fragen ob sie was gesehen haben. Hat was von Reifenpanne gesagt. Wir fahren zurück. Keine Reifenpanne, sondern es hat beim Camry die hintere rechte Bremsfeder einfach nach oben durchgedrückt. Noch zirka 80 Kilometer bis Tamanrasset! Eine ein wenig verzweifelte Stimmung. Doch: Christoph ist super! Hier zeigt sich seine Afrikaerfahrung. Innerhalb einer Stunde sind wir wieder unterwegs. Unser Ziel ist es, Tamanrasset "heil" mit seiner Behelfsreparatur zu erreichen, dass uns auch gelingt. Wir erreichen unsere Bungalowanlage "Dromedaire" gegen 15.00 Uhr. Christoph kennt den Besitzer und somit dauern die Formalitäten nicht sehr lange und wir beziehen unsere Bungalows. Erwin geht es gesundheitlich nicht so gut, kämpft mit Erbrechen und Durchfall.
Für den Abend hat uns Lahbib zu seiner Familie eingeladen.
Seine Familie und die Einladung war urnett. Sie haben schon darauf gewartet, dass ich sie fotografieren. Mein Ruf eilte mir somit voraus!
Paula und ich haben wieder einen Bungalow bezogen. Für den nächsten Tag heisst es mal länger schlafen, die Autos zu den Werkstätten bringen und dann auf zum Assekrem!
12. Tag, Dienstag, 1.11.2005
"Algerien - Sonnenuntergang am Assekrem"
Heute ist algerischer Nationalfeiertag. Habe heute super geschlafen. Bevor es auf den Assekrem geht, müssen die beiden Toyotas in die Werkstatt. Der Allrad wird noch am vormittag fertig. Der Camry sollte bis zu unserer morgigen Rückkehr auch repariert sein.
Gegen 13.00 Uhr fahren wir ohne Erwin, Paula und Lahbib mit dem Allrad los auf den Assekrem. Ich hatte keine Ahnung, was mich da erwartet. Umso überwältigender war dann der Moment!
Gegen 16.30 Uhr kommen wir bei der Hütte an und dann gehts die letzten Meter gleich rauf auf den Gipfel um den Wahnsinns-Sonnenuntergang zu sehen. Zuerst sieht es ja aus, als wollte die Sonne sich hinter den Wolken nicht blicken lassen, aber dann ganz zum Schluss, zeigt sie uns, was die Faszination des Assekrem ausmacht. Überwältigend und einfach selber anschauen! Oder zumindestens unsere Fotos, um auf den Gusto zu kommen! Jasper und ich haben Fotos ohne Ende gemacht. Die Lichtstimmung wechselt aber auch jede Minute, man wusste gar nicht, wo hinschauen.
In der kleinen Kapelle erklärt ein Eremit französischen Touristen etwas über das Leben des Pater Foucauld. Diese Touristen haben weiter unten drei Camps aufgeschlagen. Sie sind zu Fuß und mit Kamelkarwane unterwegs. Das ist sicherlich auch eine sehr schöne Tour.
Dann, wieder unten in der Hütte, machen wir es uns in der algerischen "Gebirgshütte" neben dem offenen Kamin auf Teppichen und Matratzen bequem. Wir bekommen ein so tolles Essen serviert, dass wir nicht mal schaffen, aufzuessen. Wir beschliessen, gleich hier zu schlafen und nicht in eines der Schlafräume zu gehen. Wir packten dann einfach unsere Schlfsäcke aus und machten es uns auf einen der vielen Matratzen bequem.
Der Abend dauerte noch lange an mit plaudern, Tee trinken ohne Ende (ab dem 6. habe ich aufgehört zu zählen) und Domino spielen.
Hier treffen wir auch den Agenturchef, bei dessen wir Frau wir in In Salah eingeladen waren. Er hatte uns ja schon während der Anfahrt zum Assekrem schon mal angehalten und angesprochen. "Die Wüste ist ein Dorf!" Er ist gerade mit drei Engländern unterwegs, die einen Film für ein/das Bergfilmfestival drehen. I say Hi to Chris, Jon and Nick!
Der Chef der Hütte, hat Christoph gefragt, er niemanden wüsste, der diese Hütte führen möchte. Er würde sich um den "Touristennachschub" kümmern, nur würde er jemanden brauchen, der in der Zwischenzeit verlässlich die Geschäfte erledigt. Am liebsten wäre ihm natürlich ein/e Europäer/in. Also, wer hat Lust?
Am Assekrem wohnen drei Eremiten, die die Tradition des Pater Foucauld weiterführen und das Erbe der Tuareg bewahren wollen. Ihre Kultur, die Sprache, die Schrift.
Erst heute (13.11.2005) habe ich im Radio gehört, dass er heilig gesprochen werden soll.
13. Tag, Mittwoch, 2.11.2005
"Algerien - Sonnenaufgang & Schwimmen am Assekrem"
Ich bin heute wirklich um 5.15 Uhr aufgestanden, um auch den legenären Sonnenaufgang des Assekrem anzusehen. Jasper, Helmut und Anette gesellen sich zu mir. Man braucht um diese Zeit schon noch eine Taschenlampe, um den Weg nach oben zu finden. Der Aufwand des Aufstiegs und des Aufstehens haben sich 1.000fach gelohnt. Die Farbspiele sind diesmal ganz anders als am Abend. Ich hoffe sehr, noch einma, zurückkommen zu können. Dann, als es schon ziemlich hell ist, kommt einer der Patres und lädt die oben verbliebenen zu heissem Tee ein. Er zeigt uns Fotos vom Assekrem bei den verschiedensten Jahreszeiten. Es gibt sogar welche mit Schnee. Er schliesst kurz die Augen und sagt, dass es vor 13 Jahr, im März (falls ich mich genau erinnere..). Er lebt nun schon seit 33 Jahren oben und hat gemeint, dass es innerhalb dieser Zeit nur einmal geschneit hat. Für dieses Jahr gäbe es auch aussergewöhnlich viel Niederschlag, schon 320mml, im Gegensatz zu dem Schnitt von unter 120mml! Ich helfe ihm noch die letzten Teegläser bis zu seiner Hütte zu tragen.
Als ich gegen 8.00 Uhr wieder unten bin, wartet schon ein Frühstück auf mich. natürlich auch wieder im Kaminzimmer. Ist ja auch viel gemütlicher, als das Restaurant, das gleich daneben liegt, obwohl es natürlich einen gewissen nicht verleugnen kann. Nur halt eher "kühl" gehalten.
Wir brechen um 9.30 Uhr auf und zirka eine Stunde später bringt uns Christoph nach Afilal, einem traumhaften Guelta, wo Anette und ich ins kühle Nass sprangen. Alles festgehalten, doch glaubt nicht, dass wir euch diese Fotos zeigen werden! ;-)
Wir kommen gegen 14.00 Uhr in unseren Bungalows an und erfahren, dass es Erwin nicht sehr gut geht. Wir rechnen nicht mehr damit, morgen abzureisen.
Zum Abendessen sind wir ohne Erwin unterwegs. Es gab unser legendäres Ramadan-Essen: Buttermilch mit Datteln, Suppe und Hendl.
14. Tag, Donnerstag, 3.11.2005
"Algerien - Tamanrasset & Ramadanende"
Christoph fährt mit Erwin ins Spital. Er erhält eine Infusion und andere gute "Safterl" die ihm wieder zu Kräften kommen lassen sollen.
Helmut erhält einen super reparierten Camry. Damit sollte er es bis Agadez schaffen. Wir alle nützen die gewonnene Zeit, um unsere Sachen neu zu ordnen und zu schlichten und ich um einen Beautytag einzulegen.
Diesmal gehen wir das erste Mal zu Mittag essen! Es herrscht nun ein ganz anderes Leben auf den Strassen als noch am Tag zuvor. Überall geöffnete Restaurants und Teehäuser, gefüllt mit Menschen. Ich esse das erste mal Kamelfleisch; faschierte knödelchen in Sauce. Ach war das lecker! Wir waren so begeistert, dass wir beschlossen, am abend wieder zu kommen, denn dann sollte es sogar Fleischspießchen geben. Daraus wurde leider nichts. Wir haben für den Abend eine Einladung von Lahbib erhalten.
Als er uns abholt, begrüßt er uns mit "bonne fete", soviel viel wie "Schönes Fest" und Küssen links und rechts. Das Ende des Ramadan wird hier gefeiert wie bei uns Weihnachten. Alle tragen ihre schönsten Sachen, fahren mit Keksen zu Familienmitgliedern und Freunden, nehmen die geschenkten Kekse mit usw...
Diesmal sitzen wir streng getrennt nach Frauen und Männern. Ich verfolge alles mit Interesse, denn wer weiss, wie oft ich solche Einladungen noch erhalten werde.
15. Tag, Freitag, 4.11.2005
"Algerien - Noch ein Tag im Tam!"
Erwin geht es noch immer ziemlich besch.....! Wir stellen uns also auf noch einen Tag in Tam ein. Wir wollen ihm einfach noch Zeit zur erholung geben, bevor wir weiter entscheiden. Es ist schon wichtig, sich halbwegs ok zu fühlen, denn die kommenden drei Tage werden sehr anstrengend werden.
Wir freuen uns auf ein Mittagessen bei "unserem" Lieblingsrestaurant. Das hat aber leider zu Mittag geschlossen. Der Chef hat uns gesehen, und wir haben ihm mitgeteilt, dass wir am Abend zu ihm kommen werden.
Im Restaurant haben wir einen Mohamed kennengelernt, der in Nizza wohnt, mit Freunden gerade eine Tour macht und der im Jänner 2006 in Tamanrasset eine Volleyball-Meisterschaft veranstaltet.
Am Abend haben wir dann endlich unsere Spießchen bekommen. Wir haben auch gleich 35 bestellt! Das war ein Festmahl!
16. Tag, Samstag, 5.11.2005
"Algerien - Aufbrauch nach Agadez, 980 km"
Wir brechen um 10.30 Uhr auf. Die Kanister gefüllt mit Diesel und Wasser. Wir haben auch noch genügend zum Essen eingekauft. Wir wollen heute so weit kommen, wie möglich. Nicht mal 100 km nach Tamanrasset OffRoad bzw nur eher schlechte Strassen. Unser Guide Lahbib ist auch dabei und zeigt uns immer wieder, welche der vielen Pisten wir nehmen sollen.
Es gibt aber zur allgemeinen Orientierung alles Kilomenter einen großen Beton- oder Metallpfeiler, weil die "Hauptstrasse" oft gar nicht mehr erkennbar ist. Verweht oder kaputt oder sie läuft neben vielen anderen Strassen. Um da nicht ganz die Orientierung zu verlieren, wurden eben diese Pfeiler gesetzt.
Manchmal ist es schon komisch. Da waren die ganze Zeit die Pfeiler auf der linken Seite und dann auf einmal, tauchen sie wieder rechts auf! Da habe ich das erste mal den Sinn begriffen. Es ist auch immer gut zu wissen, auf welcher Seite man das letzte Mal einen gesehen hat. Ab und zu sind nämlich die Umleitungen relativ großzügig und da kann ich mir leicht vorstellen, dass man da die Orientierung verliert.
Die Fahrt ist anstrengend. Wir kommen relativ langsam voran. Und wir werden wieder ordentlich durchgeschüttelt.
Wir finden noch vor Sonnenuntergang einen schönen Platz zum übernachten. Ich koche wieder ein Sugo, habe diesmal aber keinen Hunger. Schaue mir lieber die Sterne statt dessen an. Nächte in der Wüste unter freiem Himmel sind etwas einmaliges!
Diesmal verzichte ich auf das Campingbett und ich habe gut geschlafen, zugedeckt zusätzlich mit meinem Berbermantel aus Tunesien, den ich mir schon vor 10 Jahren, bei meiner letzten Saharareise gekauft habe.
17. Tag, Sonntag, 6.11.2005
"Niger - Empfang an der Grenze! & Nacht der 1000 Wünsche!"
Tagwache 6.15 Uhr! Wir schaffen es vor 8.00 Uhr aufzubrechen. Es sind noch fast 200 km bis In Guezzan, der letzte Ort vor der Grenze zu Niger. Ab jetzt beginnt die zeit des "Helmut aus dem Sand ziehens"! Ich habe nach dem 8ten mal aufgehört zu zählen. Zum Schluss kann sogar nur mehr der Berliet helfen, da er eine Seilwinde hat, die lang genug ist. Kommen gegen 11.30 Uhr in In Guezzan an, erledigen unsere Formalitäten bei der Gendarmerie und erhalten bei der einzigen Tankstelle sogar ausreichend Diesel für alle unsere Autos. Hier stehen die Autos manchmal bis zu drei Tage an. Wir werden vorgelassen, da wir als Touristen nicht drei Tage warten können. Tja, so läuft das hier.
Nun kommt das "längste" und schwierigste Stück dieser drei Tage. Die fünf Kilometer bis zur Grenze sind ein Off Road Stück der Sonderklasse. Für den Toyota 4x4 und den Berliet wäre das ja kein Problem, nur für den Toyota Camry war das ab jetzt eine Tortur der Sonderklasse. Ich weiss nicht mehr, wie oft wir Helmut nun rausgezogen haben. Aber irgendwie haben wir den Grenzposten erreicht. Dieser steht inmitten von "nichts"! Links und rechts nur Wüste. Sollte man da ein paar Kilometer davon vorbeifahren wollen, es würde keinen auffallen. Wie auch, da ist ja niemand.
Letztendlich verlassen wir den algerischen Grenzposten gegen 16.30 Uhr. Es hat nicht lange gedauert. Noch 20 Minuten OffRoad bis zur Grenze von Niger.
Dort werden wir von Amani und Gefolgschaft, Freund von Eva und Christoph und Bürgermeister von Aderbissanat, schon erwartet. Wie auch immer. Nach 55 Minuten waren wir mit den Zollformalitäten fertig. Der Berliet wurde nicht geöffnet. Wir starten gleich in die Wüste zu einem netten Schlafplatz. Der einzigen kleinen Akazie weit und breit. Es war so entspannend, sich in die Hände von Freunden zu begeben. Amani kam mit Assanaga Hamadede und einem Soldaten. Es tat so gut, sich einmal nicht um das Essen kümmern zu müssen. Sondern sich aufs Helfen zu beschränken. Es tat so gut, sich einfach wohl aufgehoben zu fühlen. Wir hatten ein nettes kleines Lager und wir saßen noch recht lange um das Feuer herum. Christoph hatte viel mit Amani zu besprechen und ich kannte Assanaga Hamadede von Wien her und wir freuten uns, einander wieder zu sehen. Diese Nacht war die Nacht der 1000 Wünsche.....ich schlief lange nicht ein. Ich musste mir den Himmel ansehen, mit seinen unendlich vielen Sternen. Wer einmal eine Nacht in der Sahara verbracht hat, sieht so viele Sterne, wie wahrscheinlich das ganze Leben in Europa nicht. Über mir die Milchstrasse, die Venus leuchtet und so viele verschiedene Sternzeichen, die sich uns in Europa nie zeigen werden.
Es war die Nacht der 1.000 Wünsche. Hier fallen in einer einzigen Nacht so viele Sternschnuppen, um alle seine Wünsche unterzubringen. Ich habe alle meine untergebracht. Bis zur nächsten Nacht im Freien. Also, wenn ihr in die Wüste kommt, vergesst eure Wünsche nicht!
18. Tag, Montag, 7.11.2005
"Niger - Arlit & Endlich bei Eva in Agadez, ca 400 km"
Wir brechen um 7.30 Uhr auf. Gegen 6.00 Uhr wurde schon Feier gemacht. Ich war eh schon lange wach, nahm meine Matratze zum Feuer mit, um mich diesem morgendlichen flair hinzugeben. Und dann, auf einmal ganz schnell, war das Lager wieder abgebrochen. Unsere letzte Etappe von 400 km liegt vor uns.
Gegen 12.30 Uhr sehen wir die "Berge" von Arlit, die eigentlich keine sind. Das sind Berge vom Abfall der Uranminen. Aufgrund dessen ist schon alles im Umfeld ziemlich verstrahlt und die Menschen krank. Es gibt diesbezüglich momentan erhebliche Aktivitäten, darauf aufmerksam zu machen. Doch dazu werde ich vielleicht später noch mal was schreiben.
In Arlit machen wir halt, weil wir zur Gendarmerie müssen. Essen ein wenig etwas in einem kleinen Strassenrestaurant. Doch lange halten wir uns hier nicht auf. Früher war Arlit der Drehpunkt zu Europa. Denn alles was über die Grenze kam, war logischerweise in Arlit zuerst. Es war eine florierende Stadt. Jetzt leider nicht mehr. Sie ist gezeichnet von den Uranminen.
Die Weiterfahrt ist problemlos. Gegen 18.30 Uhr treffen wir bei Eva in Agadez ein.
Wir haben nun drei Länder (Italien, Tunesien, Algerien) durchfahren, haben drei Grenzen überschritten und sind ca. 4.230 km gefahren, die Distanz der Fähre nicht mitgerechnet.
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Ich danke allen, die meinem Bericht bis zu Ende gelesen haben. Wer sich nicht hier verewigen will - freue mich aber über jeden Kommentar -, der findet hier meine Kontaktdaten.
Über mein weiteres Leben hier in Agadez werde ich natürlich auch berichten. vielleicht nicht gerade täglich. Aber Wochenberichte zusammengefasst wird es sicherlich geben.
"Geboren mit Sand in den Augen", Mano Dayak
Das Meer ohne Wasser, sagen die Berber. Den grössten aller verbotenen Gärten, nennt Mano Dayak seine Heimat.
"Frankfurter Allgemeine Zeitung"
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Sieben Menschen beschlossen, die algerische Sahara mit zwei PKW`s und einem LKW zu durchqueren, um Hilfslieferungen von Europa (Wien & München) nach Agadez, der Wuestenstadt im Niger, zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass unser Berliet der erste LKW nach drei Jahren sein wird, der Algerien durchqueren wird. Die Kunde davon soll Agadez vor uns erreichen. Es bewahrheitet sich das Sprichwort: "Die Wüste ist ein Dorf"!
Wir fahren am Freitag, den 21.10.2005 von Wien ab und kommen nach 18 Tagen und 4.230 gefahrener Kilometer, am 7.11.2005 in Agadez an.
Die Abenteurer und ihre Autos
Team Toyota AJ60, Baujahr 1988, 4 Reifen, 2 Achsen, 4x4, 2.5 Tonnen, 316.518 km
Christoph, "Mac Giver" der Sahara
Unser Reiseleiter, Chauffeur, Psychologe, Geschäftsmann, Pannenhelfer, das Ziel nie aus den Augen verlierend, aber auch nicht den Weg. Bekannt in ganz Algerien wie ein bunter Hund (Bussi Christoph, ganz lieb gemeint), der überall mit offenen Armen empfangen wird (ob nun an der Grenze oder auf dem Assekrem bei ueber 2.700 m). Der trotz des vielen Scherzens nie die Ernsthaftigkeit der Situation vergass. Ob nun an der Grenze oder speziell beim letzten Stück unserer Reise, wo wir die Härte der Sahara auf den letzten Metern zur Algerischen Grenze vor Niger zu spüren bekamen. Mit viel Charme und festem Willen und einer unermüdlichen Ausdauer, brachte er uns mit Bravour nach Agadez. Danke und Bussi für einen wirklich hervorragenden Reiseleiter! Ich vertraue mich dir jederzeit wieder an!
Karola, "Reisende" und "Reisedokumentatorin"
Tja, ich bin eh selbsterklärend im laufe des Berichtes.... ;-)
Lahbib, uebersetzt "der Geliebte"
Unser (Pflicht-)Guide ab der algerischen Grenze, der mit seinem jugendlichen Charme und seinen gepflegten Manieren beeindruckte. Er begleitete uns manchmal beim Abendessen und er war von uns so angetan, dass er uns sogar zweimal zu sich nachhause zum Essen eingeladen hat.
Team Toyota Camry, Baujahr 1988, 4 Reifen, 2 Achsen, 2x2, 1.5 Tonnen
Helmut, "Kaffeesieder"
Der Onkel von Christoph überraschte immer wieder durch seine unermüdliche Ausdauer, vor allem wenn es um das Kaffeekochen ging. Er nützte jede mögliche Pause (und wenn es eine Panne war), um uns und sich mit Kaffee zu beglücken, worüber wir uns letztendlich immer freuten. Egal wie stark die Sonne ihre Strahlen nach uns schickte, Helmut stellte Wasser für einen Kaffee auf.
Anette, "Blumenwächterin"
Die Lebensabschnitssreisebegleiterin von Helmut entschloss sich kurzerhand und frischverliebt ihrem Geliebten zu folgen. Sie chauffierte nicht nur, sondern sie zeigte viel Geduld und pflegte gemeinsam mit Helmut 18 Tage lang Pflanzen, die dann in Agadez in einem wirklich hervorragedenden Zustand ankamen.
Team Berliet, Baujahr 1968, 6 Reifen, 3 Achsen, 6x6, 8 Tonnen
Erwin, "grummeliger King of Berliet"
Erwin, nun schon zum fünften Mal auf diesem Trip hatte die Ehre den Berliet zu chauffieren. Er war der King, denn er konnte sich die Welt nicht nur von oben betrachten sondern ihm konnte auch niemand etwas anhaben. Denn wer wollte sich schon mit einem Berliet einlassen. Erwin war sofort immer zur Stelle wenn einer mal eine Panne hatte. Mit seinem unuebertrefflichem rauhen Charme war er ein wichtiger Bestandteil des Teams.
Paula, "Rauchender Wuestenfuchs"
Was wäre Paula ohne die Wüste? Seit 25 Jahren besucht sie als Urlaubsland fast auschliesslich die Sahara. Sobald sie die Strassenleere Wüste sieht, fühlt sie sich zuhause. Sie hat hier sogar ihre Familie gefunden. Paula hat sich auch sofort in den Berliet verliebt und hat die harte Sitztortur mit einer großartigen Ausdauer überstanden. Ich hätte mir diese Reise ohne Paula nicht vorstellen können.
Jasper, "Saharataeufling"
Der Sohn von Anette fuhr einfach mit ohne zu wissen was ihn da erwarten wird. Er war mir eine grosse Unterstützung, denn gemeinsam haben wir wirklich tolle Fotos gemacht. Denn was mir nicht gelang, schaffte er von seinem "Hochsitz" des Berliet aus. Das heisst, die Fotos, die wir hier von der Reise zeigen, sind entweder von ihm oder von mir.
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1 Tag, Freitag 21.10.2005,
"Reise nach Genua NonStopp auch ohne Lichtmaschine"
Abfahrt um 12.10 Uhr von Kaltenleutgeben bei Wien. Zuvor war abholen, restliche Sachen transportieren, LKW und Toyota fertig beladen. Christoph hat ja schon tags zuvor mit dem beladen begonnen. Fünf Tage zuvor hat er erst den Toyota aus Deutschland geholt, überholt und nun fahren wir damit schon Agadez!
Nach zwei Stunden erster Zwischenstopp bei der Raststation Kaiserwald bei Graz. Wir gönnen uns eine Stunde Pause und halten erst wieder beim Truck-Stopp Dreiländereck an der Grenze. Es ist jetzt sieben Uhr abends. Wir machen eine kleine Pause. Christoph versucht die Go-Box loszuwerden. Erfolglos. Klärt das telefonisch ab; sie kommt mit nach Afrika. Überqueren die Grenze - die keine mehr ist - etwa um 20.00 Uhr. Wir haben vor bis Genua durchzufahren. Wir haben bis jetzt 344 km in 8 Stunden geschafft. Der Berliet gibt das Tempo vor; mehr als 75 km/h sind da nicht drin. Bis Genua fehlen uns noch gute 570 km, die wir bis 7.00 Uhr früh geschafft haben werden.
Unsere kommende Route ist: Udine - Venezia - Padova - Verona - Brescia - Cremona - Piacemza - Genova.
Wir machen einen Tankstopp und zwei Stopps für eine kleine Pause. Gegen 6.15 Uhr wird Christoph durch ein kleines grünes Kontrolllicht aus seiner Müdigkeit gerissen. "Keilriemen oder Lichtmaschine", sagt er. "Scheisse". Wir stoppen bei der nächsten Gelegenheit. Der Keilriemen ist es nicht. Es scheint die Lichtmaschine zu sein. Der Toyota lässt sich nicht mehr starten. Erwin gibt Starthilfe mit dem Abschleppseil. Nur ein paar Meter und schon springt er an. Starhilfe werden wir in den kommenden Tagen dann noch öfter gebrauchen.
Wir erreichen gegen 7.10 Uhr morgens den Hafen von Genua.
2. Tag, Samstag 22.10.2005
"Genua: Einchecken und Abfahrt mit der Fähre "Majestic" Palermo von GRIMALDI"
Gleich nachdem wir um 7.00 Uhr früh angekommen sind, begann Christoph mit den Eincheckformalitäten. Nur leider machen die an Samstagen erst um 9.45 Uhr auf. Das erwarteten wir auch noch. Dann, während Paula und ich uns mit Spazieren gehen ein wenig die Zeit vertrieben, legten sich unsere Fahrer ein wenig nieder. Christoph packte gleich am Parkplatz eine der Campingliegen aus, die auch uns in Zukunft zum Schlafen dienen sollten.
Gegen 12.00 Uhr kamen wir zurück und ich führte unsere kleine Truppe zu einem Restaurant, dass wir auf unserer Erkundungstour entdeckt haben. Preis und Leistung haben nicht nur den Eindruck erweckt, sondern wurden auch erfüllt. voll gestärkt gingen wir zu unseren Autos zurück, um uns dann gegen 15.30 Uhr mal schön langsam in die Kolonne vor der Fähre einzureihen. Alles dauert, wir warten und stehen in der Schlange. Es sollte ein kleiner Vorgeschmack auf das "Große Warten" am algerischen Grenzübergang werden. Gegen 17.50 Uhr beziehen wir unsere Kabinen. Habe mit Paula eine Kabine. Ich nehme sofort eine heisse Dusche.
Die Fähre ist riesig und vermittelt etwas kreuzfahrerisches. Helmut, Anette und Jasper sind nun auch schon angekommen und sind schon beim einchecken.
15 Minuten später als geplant legt die Fähre um 19.15 Uhr ab. Wir essen noch etwas in der Cafeteria und finden uns dann alle gegen 22.00 Uhr im Bett wieder. Wir sind alle müde und freuen uns auf ein sauberes Bett und eine Dusche. Wir beschließen, dass Frühstück sein zu lassen und uns gegen 12.00 Uhr am Deck zu treffen.
3. Tag, Sonntag 23.10.2005
"An Board der "Majestic" und Einreise in Tunesien"
Habe 12 Stunden geschlafen. Wache gegen 9.45 auf. Obwohl ich auch auf der Fahrt nach Genua ein wenig geschlafen haben (böse Zungen behaupten, die ganze Fahrt durch Italien hindurch), war ich todmüde. Die Strapazen der letzen Monate und speziell der letzten Tage vor der Abreise zeigten doch ihre Spuren.
Liege in meine Koje und spüre das Schiff. Ein leises Brummen der Motoren. Ein sanftes Auf und Ab lässt erinnert mich an das was Christoph in der Kantine gesagt hat: "Alles ordentlich beissen, dann tut es m Hals nicht so weh!" (nach dem kotzen). Paula ist auch schon angezogen und verzieht sich nach oben ans Deck auf der Heckseite. Da es auf dem ganzen Schiff verboten ist zu rauchen, ausser dort oben, wo es auch ein kleines Cafe gibt, ist sie gezwungen, sich als Raucher dorthin zu begeben. Ich ersuche sie, mich zu holen, falls die See nicht zu rauh ist. Irgendwie habe ich nicht vor, mich nach oben zu begeben und mich dann einer wilden Kotzerei hinzugeben. Mein Name wird ausgerufen. Ich soll zur Rezeption kommen. Es hat mich nicht, wie angenommen, Christoph ausgerufen, sondern es wurden nicht alle Daten ausgefüllt. Ich ging dann auch ans Deck und das Meer war wider meiner Erwartung total ruhig. Ich verbrachte dann den ganzen Tag bis zum Anlegen draussen auf dem Deck am Heck. Nur unterbrochen von zweimal essen gehen in der Kantine.
Wir legten um 21.00 Uhr unserer Zeit, bzw. 20.00 Uhr tunesischer Zeit im Hafengelände in La Goulette an. Um eine Stunde später als geplant. Die Verspätung ist wohl weniger dem Wetter zuzuschreiben, denn dieses war ja die ganze Zeit über ziemlich ruhig, als vielmehr dem Ramadan. Auf diesen Fähren fahren vor allem Tunesier nachhause. Oder vielleicht auch Algerier. Und nicht nur so Sahara-Touristen wie wir. Und da um ca. 18.00 Uhr tunesische Zeit die Sonne untergeht, sie dann eine gute Stunde Zeit brauchen fürs Essen und beten, würde das genau in die geplante Landezeit von 19.00 Uhr fallen. Früher ist es nicht möglich, also ist es später. Ich finde das schon sehr völkerverbindend. hat mir sehr gefallen.
Eine viertel Stunde nach dem Anlegen fahren die ersten Autos raus. Wir sind alle drei in verschiedenen Decks untergebracht. Christoph und ich sind sowieso im letzen Deck, dass raus darf: Garage A. Wir schauen von oben den ersten zu. Rechts von uns ist die "Halle des Schreckens", wie Christoph sie nennt. Der tunesische Zoll. Er ist noch nie mit einem LKW dieser Größe und dazu noch vollgepackt bis obenhin diese Strecke gefahren. Nun beginnen für ihn ein paar anstrengende und geduldige Stunden, die für ihn an der tunsisch/algerischen Grenze ihren Höhepunkt haben werden.
Endlich viertel vor neun dürfen wir zu unserem Auto. Wir warten weitere dreissig Minuten. Die Hupkonzerte beginnen schon. Die Autos stehen nebeneinander wie Sardinen in der Büchse. Da beginnt auf einmal jemand sein Auto zu starten. Pfeifen ertönt. Andere starten ihre Autos auch. Und dann geht auf einmal alles sehr schnell. Die Autos, die schon auf der Rampe stehen, fahren los, andere beginnen zu reversieren, durchstarten, ein hin und hergeschiebe und auf einmal sind wir schon draussen. Unterwegs Richtung "Halle des Schreckens".
Wir werden in eine Warteschlange eingewiesen. Wie sich dann herausstellt, die langsamste. In der Zwischenzeit erfahren wir, dass Erwin mit dem Berliet schon draussen ist und Helmut auch. Nur wir sitzen noch hier und warten.... Endlich die erste Kontrolle passiert. Nun ist die Zweite dran. Hier scheint es schneller zu gehen. Doch Christoph muss sich dann nochmal anstellen und bis wir das dann alles hinter uns gebracht haben und wir dann alle von dort losfahren ist es zwanzig Minuten vor Mitternacht.
Christoph will auch diesmal ohne größerer Pause bis an die Grenze zu Algerien durchfahren. Es warten also noch 482 km auf uns. Zwölf Stunden später sollten wir die "Höhle des Löwen" erreichen, wie Christoph die Grenze zu Algerien nennt. Er hat einfach keine Ahnung, wie die Zöllner auf unseren Berliet reagieren würden.
4. Tag, Montag 24.10.2005
"Quer durch Tunesien in 12 Stunden" und die "Höhle des Löwen"
Die Route durch Tunesien lautet: Tunis - Enfida - Kairouan - Gafsa - Tozeur - Nafta - Hazoua Grenze Tunesien/Algerien.
Um 1.44 Uhr früh leuchtet die Batterielampe auf. Wir haben nun ein richtiges "Ampelspiel": Rot für die Batterie, Grün für die Lichtmaschine und Orange für den Filter..... Erwin und Christoph hängen zuerst über den Motor gebeugt und dann Erwin unter dem Lenkrad. Mit Starthilfe geht es weiter, da nichts gefunden wird, ausser dass wir kein Licht haben, und dann nicht mal mehr die Uhr die Zeit anzeigt, läuft das Auto tadellos! Erwin führt nun mit dem Berliet unsere kleine Karavane an. Helmut macht das Schlusslicht. Wozu Licht, wenn das Auto sowieso fährt? Da das die letzte Nachtfahrt sein wird, nehmen wir das ganze ziemlich gelassen.
Gegen 7.30 Uhr erreichen wir Gafsa. Um 8.15 in Tozeur hofften wir auf ein Frühstück, denn ausser auf einer Raststätte nach Tunis haben wir nichts zu uns genommen. Wir finden ein Hotel, dass unserer kleiner Truppe einen Kaffee kocht. Gar nicht so einfach, während des Ramadan tagsüber einen Kaffee zu bekommen. Es ist wohl möglich essen einzukaufen, es jedoch zu kosten oder gar auf offener Strasse zu essen, wäre nicht gerade sehr vorteilhaft und man würde unweigerlich unangenehm auffallen. Sogar das Rauchen ist untersagt. Für paula nicht gerade einfach. Zwei Stunden später geht es weiter. Christoph war erfolglos. Er hat keine Lichtmaschine gefunden. Aber was soll's. Das Auto fährt auch ohne sehr gut. Sogar so gut, dass es sich nicht mal mehr abstellen lässt, er muss es "absaufen" lassen.
Um 11.20 Uhr erreichen wir die tunesische Grenze. Helmut und Anette fehlen. Sie wollten noch schnell was kaufen, als wir losgefahren sind. Wir warten nicht auf sie und fahren nach Erledigung der Formalitäten durch das Niemandsland auf die algerische Grenze, der "Höhle des Löwen" zu. Die Zeit des langen Wartens beginnt.
5. Tag, Dienstag 25.10.2005
"Endlich Algerien! - Grenzformalitäten und El Oued"
Wir haben die letzte Nacht im Niemandsland vor der algerischen Grenze verbracht. Es ist finster, ein eisiger Wind weht, als ich hörte, wie Christoph ins Auto steigt. Ich schaue nach oben, sehe nur Wolken und keine Sterne wie am Abend davor beim Einschlafen. Dieser Wind und die Wolken, denke ich, die sehen nach Regen aus. Ich packe meinen Schlafsack und steige auch ins Auto und versuche es mir dort irgendwie gemütlich zu machen. Eine halbe Stunde später regnet es. Die noch draussen Verbliebenen packen nun auch schnell ihre Sachen zusammen und flüchten ins Auto. Christoph und ich freuen uns, dass wir schon im Auto sind.
Gegen 8.30 Uhr klettern wir ziemlich zerknautscht aus dem Wagen, versuchen uns etwas frisch zu machen. Eine halbe Stunde später scheint uns die Sonne!
Nach 28! Stunden an der algerischen Grenze nehmen wir offiziell und um ein paar Schachteln leichter unsere Reise um 15.15 Uhr auf. Rückblickend wissen wir, dass mit unserem Berliet der erste LKW seit gut drei Jahren wieder die algerische Grenze passieren und Algerien durchqueren durfte. Wir durften in keinster Weise erwähnen, dass wir annähernd so etwas wie Hilfsgüter geladen hatten. Aber was hatten wir schon großartiges? Medikamente, die uns ein Krankenhaus geschenkt hat, gebrauchte Schultaschen gefüllt von Kindern einer Volksschule mit Stiften und Stofftieren, Second Hand Textilien von Verwandten und Freunden, optische Brillen von der Caritas und viel kleiner Krimskrams. Viele Sachen sind dabei für das Kulturhaus und die ONG, die Eva gegründet hat. Nichts in dem Sinn von Wert aber im speziellen sehr wohl.
Saharareisende, die in die algerische Sahara fahren oder sie durchqueren, so wie wir, dürfen nur so viel mitnehmen, wie für den eigenen Gebrauch vorgesehen ist. Äjm, da ist natürlich guter Rat teuer, weil wie wollen wir einen ganzen LKW voll erklären? Christoph hätte den Berliet als "Wohnmobil" bezeichnet, wäre er direkt gefragt worden. Tja, das war halt nicht der Fall. Zum Glück. Und Medikamente durften auch nicht mitgenommen werden. Schon gar nicht in diesen Mengen. Da wir, als wir schon fast alle Formalitäten erledigt hatten, dann doch noch den Berliet öffnen mussten, weil die Zöllner ihre Arbeit verrichten mussten (auch wenn eigentlich fast keiner diesen Job erledigen wollte, denn sie kannten Christoph), war es leider so, dass eine der vielen Medikamantenschachteln nun doch ins "Auge stach". Wir mussten deshalb 6 Schachteln dort lassen. Sie wollten uns die Schultaschen auch ausräumen lassen, da fand Jasper in einem der gefüllten Federpennale ein Briefchen, geschrieben von einem der Kinder. Christoph hielt das dem Chef dort direkt vor die Nase....damit sie sehen konnten, was sie gerde machen. Ihm und den anderen ist es dann wirklich ganz anders geworden, und somit mussten wir nur die 6 Schachteln abladen und alles andere wurde belassen. Die Wiedersehensgeschenke wurden von ihnen auch zurückgegeben. Schlechtes Gewissen plagte sie. Das mildert im Nachhinein die Sache ein wenig, obwohl wir den Medikamenten nachtrauerten, denn die sind für den Müll bestimmt. Christoph könnte sie bei einer Ausreise am selben Grenzposten wieder abholen und wenn nicht, dann werden sie einfach weggeworfen oder was auch immer. Aber auf keinen Fall ihrer Bestimmung zugeführt.
Wie auch immer, uns war nach diesen vielen Stunden noch immer nicht bewusst, welch Glück wir hatten. Wir hätten mit unserem Berliet auch wieder die Rückreise antreten können. Jetzt wartete nur mehr die Gendarmerie auf uns, wo wir unsere Pässe erhalten sollten. Letztendlich ist es doch nach 15.00 Uhr geworden, bis wir uns endlich weiter auf unsere Reise machen konnten.
Eigentlich wollten wir heute schon in Ghardaia sein. Doch 505 km sind nicht mehr zu schaffen. Wir werden uns deshalb im 64 km entfernten El Oued, im Hotel Lousse einquartieren. Sieht man von ein paar kleinen Kakerlaken ab, sind die Zimmer sauber.
Ich hätte mir jedoch nicht gedacht, dass, je weiter wir in den Süden kommen, unsere Quartiere teilweise sogar noch besser erhalten, sauberer und "kleintierfreier" werden.
Abend gegessen habe wir im Hotel, ganz gegen der Tradition von Christoph, die besagt "Iss nie dort wo du schläfst!". Aber ist Ramandan, und El Oued ist bekannt dafür, dass Kinder und Jugendliche Fremden gegenüber fast feindlich gestimmt sind, vor allem wenn Frauen dabei sind. "Wehe es fliegt der erste Stein......", meint Christoph, aber je weiter wir in den Süden und Richtung Afrika kommen, desto entspannter und freundlicher werden die Menschen.
Ich habe wieder ein Zimmer mit Paula bezogen. Gegen 23.00 Uhr sind wir dann ins Bett, und ich freue mich, dass meines nur einmal benützt scheint. Solange keine Flecken drin sind.... Das sollte meinen Schlaf nicht stören.
6. Tag, Mittwoch, 26.10.2005
"Algerien - Reise nach Ghardaia"
Gegen 7.00 Uhr werden wir von Christoph geweckt. Wir wollen früh aufbrechen, es liegen etwa 415 km vor uns bis nach Ghardaia, wo wir zwei Tage verbringen werden. Wir geniessen ein vortreffliches Frühstück und brechen gegen 8.30 Uhr auf. Unser Guide, Lahbib wartet in der Lobby schon auf uns. Keine Ahnung, wo er genächtigt hat, aber das ist auch nicht unser Job, uns darum zu kümmern. Nach etwa 270 km, bzw. 3.5 Stunden machen wir eine Essenspause in einem Hain vor Guerrara.
Kommen um 17.30 Uhr in Ghardaia im Hotel an. Sehen vom Dach des Hauses gerade noch den Sonnenuntergang. Paula und ich beziehen noch schnell unsere Zimmer und dann sind wir alle schon Christoph hinterher, der zielstrebig in eine Richtung rennt. Dort wo es ein Restaurant gibt. Der Muezzin hat schon gerufen. Die Essenszeit hat schon begonnen. Ich verstehe jetzt, warum er so gelaufen ist. Alle Restaurants sind voll! Wir entscheiden uns für ein kleines Restaurant, wo die ersten gerade mit dem Essen fertig und Plätze frei werden. Es gibt "Tschorba", eine Suppe, die uns die ganze Fahrt durch Algerien begleiten wird. Dann Huhn und Salat. Alles war vortrefflich! Eigentlich werden wir sehr oft diese "Menüreihenfolge" zu uns nehmen.
Wir haben ein nettes Zimmer mit einer Loggia, die nur nach oben auf die Dachterrasse geöffnet ist. Paula hat somit draussen ihr Plätzchen gefunden, um in Ruhe rauchen zu können.
7. Tag, Donnerstag, 27.10.2005
"Algerien - Ghardaia: Autoreparatur & Markt"
Wir haben um 8.00 Uhr Tagwache und machen uns unser Frühstück im Teehaus selber. Der Ramadan lässt uns zu dieser Erfahrung kommen. Waren heute auf der Bank Geld wechseln. Für 100 Euro bekomme ich 8.627AD (Algerische Dinar). Sind dann auf den Markt, für die kommenden Tage einkaufen, damit wir tagsüber auch was zum Essen haben. Die Restaurants sind ja während des Ramandan nur abends geöffnet.
Christoph ist gegen 9.00 Uhr zur Autowerkstätte gefahren, die Reifen zu wechseln, wo dann am Abend auch mal gleich zwei kaputt waren. Das heisst, wir hatten Patschen. Zum Glück sind wir nicht noch am selben Tag gefahren, so wie er es vorgeschlagen hat, weil ja die Reparatur schneller fertig war als geplant!
Am Abend laufen wir Christoph wieder zum Restaurant hinterher. So nach dem Motto, "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.... ohne Essen!" Wir - vor allem Christoph - wollen diesmal zu den ersten gehören! Wir sitzen bei gedecktem Tisch bevor der Muezzin ruft! Vor uns schon Buttermilch und Datteln. Das wird hier während des Ramadan angeboten. Das ist das erste, was ein jeder sofort isst, um die Wartenszeit zu überbrücken, bis das Essen dann endlich auf dem Tisch steht. Wir wählten diesmal ein anderes Restaurant. Wir haben einen tollen Platz im Hof und werden bestens bedient! Und das Essen ist herrlich! Es gibt Huhn....nicht das erste mal auf dieser Reise, und es schmeckte vortrefflich.
8. Tag, Freitag, 28.10.2005
"Algerien - Reise nach El Meneaa / El Golea, 297 km"
Bin schon gegen 7.00 Uhr früh auf der Terrasse um beim Sonnenaufgang dabei zu sein. Das Licht ist um diese Tageszeit immer am besten zum Fotografieren.
Heute geht die Reise weiter nach El Meneaa. Wir fahren um 10.30 Uhr ab. Die ca. 240 km sollen wir in 5.5 Stunden geschafft haben, obwohl wir nach 50 km eine Reifenpanne haben. Es hat sich nun auch noch ein dritter Reifen bei uns verabschiedet und hoffen, dass wenigstens der vierte hält. Christoph ist ziemlich sauer deswegen. Zwei Stunden später ist fast wieder alles vergessen, auch dass die Lichtmaschine schon wieder kaputt ist.
Denn wir sehen heute das erste Mal den Grand Erg Occidental. Wir bleiben stehen und machen unseren ersten Dünenspaziergang. Diese riesigen Sanddünen sind die Vorlage für Bilderbuchvarianten der Sahara. Wer einmal diese Dünen gesehen hat, wird sie immer mit der Sahara in Verbindung bringen.
Als wir gegen 16.00 Uhr im Hotel Boustan ankommen, fährt Christoph gleich weiter in die Werkstätte, um das Auto checken zu lassen.
Das Hotel ist leider ein wenig vernachlässigt, jedoch könnte es als Vorlage für Casablanca dienen. Paula als auch Christoph kennen es aus den 80ern. Damals sei es ohne Voranmeldung nicht möglich gewesen, ein Zimmer zu bekommen. Am Pool herrschte Leben, an der Bar gab es alles was auch das alkoholliebende Herz begehrte und es herrschte ein feudales Treiben, mit Musik in der Luft.
Wir waren am Abend - wieder mal - Huhn essen, Lahbib war auch dabei. Es gab als "Starter" wieder Buttermilch und Datteln. Hmm, herrlich lecker.
Gleich daneben war ein Friseurladen, der aus einem La Chapelle Film hätte sein können. Zwei junge Burschen/Männer waren drinnen und dürften auf jeden Fall große Fussballfans sein. Überall Fotos von den großen Fußballern unserer Zeit, und natürlich auch die algerische Mannschaft durfte nicht fehlen.
9. Tag, Samstag, 29.10.2005
"Algerien - Reise nach In Salah, 396 km"
6.30 Uhr: die Hähne schreien sich die Lunge raus! Gelsen und eine Schwüle haben mich nicht wirklich erholsam schlafen lassen. Eine Dusche richtet mich wieder auf. Wie es scheint sind wir hier die einzigen europäischen Gäste. Das Hotel macht leider einen sehr verwahrlosten Eindruck, obwohl es sich nicht leugnen lässt, dass hier mit viel Stil gebaut und eingerichetet wurde.
Wir schaffen es um 8.45 Uhr vom Hotel abzufahren, dass sich dann wie immer sowieso bis zu 30 Minuten durch warten, tanken oder Gendarmeriekontrolle verzögert.
Nach 30 Kilometern stoppen wir bei den Dünen, um die Wüste noch ein letztes Mal in dieser Form zu geniessen, denn der Große Erg wird unseren Weg nicht mehr kreuzen.
"Klettern" nun mit unseren Autos zum Plateau der Tademait-Hochebene rauf, laut Reiseführer "Garten des Satans". 200 km Steinwüste sind nun zu durchqueren. Helmut bleibt stehen um Pannenhilfe zu geben. Das heisst, alle bleiben nun stehen und helfen mit. Nur war es eigentlich sinnlos, denn weder der Reifen hat gepasst noch das passende Werkzeug war vorhanden. Christoph meint, sofern niemand wirklich winkt und nach Hilfe verlangt, braucht man nicht stehen bleiben. Es war auch hier so. Während wir noch Hilfe leisteten, kam auch schon jemand, um ihm zu helfen und vor allem seine Fracht entgegen zu nehmen.
Wir fahren um 13.20 Uhr weiter. 45 Minuten hat uns diese Hilfe, die eigentlich keine war, gekostet. Und noch immer liegen 190 km vor uns.
Das Plateau ist absolut eben, flach und eigentlich mit dunklen kleinen Steinen übersäht. Nur ab und an sieht man einen zerfetzten Reifen. Sonst nichts.
Eine Stunde später haben wir eine kleine Panne, die uns wieder eine Stunde gekostet hat. Noch immer 90 km zu fahren! Gegen 17.00 Uhr treffen wir im Hotel in In Salah ein.
Wir haben eine Einladung zum Essen ins Haus des Chefs der Agentur. Es wurden im Hof des Hauses Teppiche und Matratzen ausgelegt. Lahbib und der Sekretär bewirteten uns. Fatma, die Frau des Hausherrn lässt sich erst nach dem Essen blicken. Es gibt nun zuerst Salat, dann Cous Cous mit Gemüse und Fleisch. Gemeinsam essen wir mit einem Löffel aus einer flachen Schüssel.
Ich gehe nach dem Essen zu Fatma und erhalte die Möglichkeit, die Frauen und Kinder zu fotografieren.
Das Hotel Tidikelt ist wunderschön. Auch aus den 70ern, aber im Gegensatz zum Hotel in El Meneaa nicht verkommen und ursauber. Es hat absolut einen "Sternencharakter"! Noch dazu ohne Kakerlaken und Gelsen, nur ein Gecko huschte über meine Zehen!
10. Tag, Sonntag, 30.10.2005
"Algerien - Aufbruch nach Tamanrasset, 658 km, mit Übernachtung im Hoggar"
Wir brechen um 7.30 Uhr auf. Ein schnelles Frühstück war drin. Lahbib schaut auch nicht ganz ausgeschlafen aus. Könnte aber auch mit dem Ramadan zu tun haben. Inshallah sei dank, dass er schon am kommenden Donnerstag beendet sein wird.
Wir suchen noch einen Bäcker. Wir brauchen Brot, da wir eine Nacht im Freien verbringen werden. Während wir warten, bis das Brot fertig ist, suchen wir ein Geschäft, um Wasser zu kaufen. Das Wasser aus In Salah aus der Wasserleitung ist für mich ungeniessbar: zuviel Salz mit leichtem Chlorgeschmack. Die Suche war erfolglos. Wir kehren zurück zur Bäckerei und ich darf rein um sie zu fotografieren.
Abfahrt erfolgt schließlich gegen 8.00 Uhr . Bis Tamanrasset liegen 658 km vor uns.
Nach fast drei Stunden machen wir eine Pausenstopp bei den letzten Dünen. Wir passieren den Eingang ins Hoggar gegen 13.30 Uhr. Sehr beeindruckend. Hier begrüsst uns auch gleich der erste Mullah Mullah, ein kleiner Vogel, den es nur in der Sahara gibt und einem oft während der Reise so begleitet, wie Delphine Schiffe begleiten. Anschliessend sammeln wir noch etwas Holz für unser Nachtlager. Auf Anregung von Helmut besuchen wir das "Moulay Hassan". Da es schon 16.00 Uhr ist, beschließen wir, hier auch unser Nachtlager aufzuschlagen.
Ich koche. Anette und ich bereiten ein Sugo vor mit Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Thunfisch und Oliven. Für die Nudeln sind die Herren zuständig. Tja, es war zu Beginn nicht alles so einfach, weil wir eigentlich keinen ordentlichen Kocher mithatten und nur eine Pfanne! Aber wir haben es geschafft und die Nudeln haben hervorragend geschmeckt!
11. Tag, Montag, 31.10.2005
"Algerien - Tamanrasset"
Da ich blöderweise schon wieder am Campingbett geschlafen habe tun mir nun alle Knochen weh! Aber was soll's. Spätestens nach ein paar Kilometern ist alles vergessen. Hier in der Wüste bekommen solcher "Ereignisse" nicht einen so großen Stellenwert, und hätte ich es mir nicht aufgeschrieben, ich würde es wahrscheinlich gar nicht mehr wissen.
Und wir haben noch etwa 260 km vor uns. Wir schaffen es, um 8.20 Uhr aufzubrechen. Schlaglöcher mit einer Tiefe von bis zu 20cm müssen von uns bewältigt werden. Wir durchqueren ein großes abgesperrtes Militärgebiet. Wir sehen heute schon viele Nomanden mit ihren Kamelen, Eseln und Ziegen.
Auf einmal sind wir allein. Der Camry und der Berliet sind nicht mehr zu sehen. Halten ein Auto auf und fragen ob sie was gesehen haben. Hat was von Reifenpanne gesagt. Wir fahren zurück. Keine Reifenpanne, sondern es hat beim Camry die hintere rechte Bremsfeder einfach nach oben durchgedrückt. Noch zirka 80 Kilometer bis Tamanrasset! Eine ein wenig verzweifelte Stimmung. Doch: Christoph ist super! Hier zeigt sich seine Afrikaerfahrung. Innerhalb einer Stunde sind wir wieder unterwegs. Unser Ziel ist es, Tamanrasset "heil" mit seiner Behelfsreparatur zu erreichen, dass uns auch gelingt. Wir erreichen unsere Bungalowanlage "Dromedaire" gegen 15.00 Uhr. Christoph kennt den Besitzer und somit dauern die Formalitäten nicht sehr lange und wir beziehen unsere Bungalows. Erwin geht es gesundheitlich nicht so gut, kämpft mit Erbrechen und Durchfall.
Für den Abend hat uns Lahbib zu seiner Familie eingeladen.
Seine Familie und die Einladung war urnett. Sie haben schon darauf gewartet, dass ich sie fotografieren. Mein Ruf eilte mir somit voraus!
Paula und ich haben wieder einen Bungalow bezogen. Für den nächsten Tag heisst es mal länger schlafen, die Autos zu den Werkstätten bringen und dann auf zum Assekrem!
12. Tag, Dienstag, 1.11.2005
"Algerien - Sonnenuntergang am Assekrem"
Heute ist algerischer Nationalfeiertag. Habe heute super geschlafen. Bevor es auf den Assekrem geht, müssen die beiden Toyotas in die Werkstatt. Der Allrad wird noch am vormittag fertig. Der Camry sollte bis zu unserer morgigen Rückkehr auch repariert sein.
Gegen 13.00 Uhr fahren wir ohne Erwin, Paula und Lahbib mit dem Allrad los auf den Assekrem. Ich hatte keine Ahnung, was mich da erwartet. Umso überwältigender war dann der Moment!
Gegen 16.30 Uhr kommen wir bei der Hütte an und dann gehts die letzten Meter gleich rauf auf den Gipfel um den Wahnsinns-Sonnenuntergang zu sehen. Zuerst sieht es ja aus, als wollte die Sonne sich hinter den Wolken nicht blicken lassen, aber dann ganz zum Schluss, zeigt sie uns, was die Faszination des Assekrem ausmacht. Überwältigend und einfach selber anschauen! Oder zumindestens unsere Fotos, um auf den Gusto zu kommen! Jasper und ich haben Fotos ohne Ende gemacht. Die Lichtstimmung wechselt aber auch jede Minute, man wusste gar nicht, wo hinschauen.
In der kleinen Kapelle erklärt ein Eremit französischen Touristen etwas über das Leben des Pater Foucauld. Diese Touristen haben weiter unten drei Camps aufgeschlagen. Sie sind zu Fuß und mit Kamelkarwane unterwegs. Das ist sicherlich auch eine sehr schöne Tour.
Dann, wieder unten in der Hütte, machen wir es uns in der algerischen "Gebirgshütte" neben dem offenen Kamin auf Teppichen und Matratzen bequem. Wir bekommen ein so tolles Essen serviert, dass wir nicht mal schaffen, aufzuessen. Wir beschliessen, gleich hier zu schlafen und nicht in eines der Schlafräume zu gehen. Wir packten dann einfach unsere Schlfsäcke aus und machten es uns auf einen der vielen Matratzen bequem.
Der Abend dauerte noch lange an mit plaudern, Tee trinken ohne Ende (ab dem 6. habe ich aufgehört zu zählen) und Domino spielen.
Hier treffen wir auch den Agenturchef, bei dessen wir Frau wir in In Salah eingeladen waren. Er hatte uns ja schon während der Anfahrt zum Assekrem schon mal angehalten und angesprochen. "Die Wüste ist ein Dorf!" Er ist gerade mit drei Engländern unterwegs, die einen Film für ein/das Bergfilmfestival drehen. I say Hi to Chris, Jon and Nick!
Der Chef der Hütte, hat Christoph gefragt, er niemanden wüsste, der diese Hütte führen möchte. Er würde sich um den "Touristennachschub" kümmern, nur würde er jemanden brauchen, der in der Zwischenzeit verlässlich die Geschäfte erledigt. Am liebsten wäre ihm natürlich ein/e Europäer/in. Also, wer hat Lust?
Am Assekrem wohnen drei Eremiten, die die Tradition des Pater Foucauld weiterführen und das Erbe der Tuareg bewahren wollen. Ihre Kultur, die Sprache, die Schrift.
Erst heute (13.11.2005) habe ich im Radio gehört, dass er heilig gesprochen werden soll.
13. Tag, Mittwoch, 2.11.2005
"Algerien - Sonnenaufgang & Schwimmen am Assekrem"
Ich bin heute wirklich um 5.15 Uhr aufgestanden, um auch den legenären Sonnenaufgang des Assekrem anzusehen. Jasper, Helmut und Anette gesellen sich zu mir. Man braucht um diese Zeit schon noch eine Taschenlampe, um den Weg nach oben zu finden. Der Aufwand des Aufstiegs und des Aufstehens haben sich 1.000fach gelohnt. Die Farbspiele sind diesmal ganz anders als am Abend. Ich hoffe sehr, noch einma, zurückkommen zu können. Dann, als es schon ziemlich hell ist, kommt einer der Patres und lädt die oben verbliebenen zu heissem Tee ein. Er zeigt uns Fotos vom Assekrem bei den verschiedensten Jahreszeiten. Es gibt sogar welche mit Schnee. Er schliesst kurz die Augen und sagt, dass es vor 13 Jahr, im März (falls ich mich genau erinnere..). Er lebt nun schon seit 33 Jahren oben und hat gemeint, dass es innerhalb dieser Zeit nur einmal geschneit hat. Für dieses Jahr gäbe es auch aussergewöhnlich viel Niederschlag, schon 320mml, im Gegensatz zu dem Schnitt von unter 120mml! Ich helfe ihm noch die letzten Teegläser bis zu seiner Hütte zu tragen.
Als ich gegen 8.00 Uhr wieder unten bin, wartet schon ein Frühstück auf mich. natürlich auch wieder im Kaminzimmer. Ist ja auch viel gemütlicher, als das Restaurant, das gleich daneben liegt, obwohl es natürlich einen gewissen nicht verleugnen kann. Nur halt eher "kühl" gehalten.
Wir brechen um 9.30 Uhr auf und zirka eine Stunde später bringt uns Christoph nach Afilal, einem traumhaften Guelta, wo Anette und ich ins kühle Nass sprangen. Alles festgehalten, doch glaubt nicht, dass wir euch diese Fotos zeigen werden! ;-)
Wir kommen gegen 14.00 Uhr in unseren Bungalows an und erfahren, dass es Erwin nicht sehr gut geht. Wir rechnen nicht mehr damit, morgen abzureisen.
Zum Abendessen sind wir ohne Erwin unterwegs. Es gab unser legendäres Ramadan-Essen: Buttermilch mit Datteln, Suppe und Hendl.
14. Tag, Donnerstag, 3.11.2005
"Algerien - Tamanrasset & Ramadanende"
Christoph fährt mit Erwin ins Spital. Er erhält eine Infusion und andere gute "Safterl" die ihm wieder zu Kräften kommen lassen sollen.
Helmut erhält einen super reparierten Camry. Damit sollte er es bis Agadez schaffen. Wir alle nützen die gewonnene Zeit, um unsere Sachen neu zu ordnen und zu schlichten und ich um einen Beautytag einzulegen.
Diesmal gehen wir das erste Mal zu Mittag essen! Es herrscht nun ein ganz anderes Leben auf den Strassen als noch am Tag zuvor. Überall geöffnete Restaurants und Teehäuser, gefüllt mit Menschen. Ich esse das erste mal Kamelfleisch; faschierte knödelchen in Sauce. Ach war das lecker! Wir waren so begeistert, dass wir beschlossen, am abend wieder zu kommen, denn dann sollte es sogar Fleischspießchen geben. Daraus wurde leider nichts. Wir haben für den Abend eine Einladung von Lahbib erhalten.
Als er uns abholt, begrüßt er uns mit "bonne fete", soviel viel wie "Schönes Fest" und Küssen links und rechts. Das Ende des Ramadan wird hier gefeiert wie bei uns Weihnachten. Alle tragen ihre schönsten Sachen, fahren mit Keksen zu Familienmitgliedern und Freunden, nehmen die geschenkten Kekse mit usw...
Diesmal sitzen wir streng getrennt nach Frauen und Männern. Ich verfolge alles mit Interesse, denn wer weiss, wie oft ich solche Einladungen noch erhalten werde.
15. Tag, Freitag, 4.11.2005
"Algerien - Noch ein Tag im Tam!"
Erwin geht es noch immer ziemlich besch.....! Wir stellen uns also auf noch einen Tag in Tam ein. Wir wollen ihm einfach noch Zeit zur erholung geben, bevor wir weiter entscheiden. Es ist schon wichtig, sich halbwegs ok zu fühlen, denn die kommenden drei Tage werden sehr anstrengend werden.
Wir freuen uns auf ein Mittagessen bei "unserem" Lieblingsrestaurant. Das hat aber leider zu Mittag geschlossen. Der Chef hat uns gesehen, und wir haben ihm mitgeteilt, dass wir am Abend zu ihm kommen werden.
Im Restaurant haben wir einen Mohamed kennengelernt, der in Nizza wohnt, mit Freunden gerade eine Tour macht und der im Jänner 2006 in Tamanrasset eine Volleyball-Meisterschaft veranstaltet.
Am Abend haben wir dann endlich unsere Spießchen bekommen. Wir haben auch gleich 35 bestellt! Das war ein Festmahl!
16. Tag, Samstag, 5.11.2005
"Algerien - Aufbrauch nach Agadez, 980 km"
Wir brechen um 10.30 Uhr auf. Die Kanister gefüllt mit Diesel und Wasser. Wir haben auch noch genügend zum Essen eingekauft. Wir wollen heute so weit kommen, wie möglich. Nicht mal 100 km nach Tamanrasset OffRoad bzw nur eher schlechte Strassen. Unser Guide Lahbib ist auch dabei und zeigt uns immer wieder, welche der vielen Pisten wir nehmen sollen.
Es gibt aber zur allgemeinen Orientierung alles Kilomenter einen großen Beton- oder Metallpfeiler, weil die "Hauptstrasse" oft gar nicht mehr erkennbar ist. Verweht oder kaputt oder sie läuft neben vielen anderen Strassen. Um da nicht ganz die Orientierung zu verlieren, wurden eben diese Pfeiler gesetzt.
Manchmal ist es schon komisch. Da waren die ganze Zeit die Pfeiler auf der linken Seite und dann auf einmal, tauchen sie wieder rechts auf! Da habe ich das erste mal den Sinn begriffen. Es ist auch immer gut zu wissen, auf welcher Seite man das letzte Mal einen gesehen hat. Ab und zu sind nämlich die Umleitungen relativ großzügig und da kann ich mir leicht vorstellen, dass man da die Orientierung verliert.
Die Fahrt ist anstrengend. Wir kommen relativ langsam voran. Und wir werden wieder ordentlich durchgeschüttelt.
Wir finden noch vor Sonnenuntergang einen schönen Platz zum übernachten. Ich koche wieder ein Sugo, habe diesmal aber keinen Hunger. Schaue mir lieber die Sterne statt dessen an. Nächte in der Wüste unter freiem Himmel sind etwas einmaliges!
Diesmal verzichte ich auf das Campingbett und ich habe gut geschlafen, zugedeckt zusätzlich mit meinem Berbermantel aus Tunesien, den ich mir schon vor 10 Jahren, bei meiner letzten Saharareise gekauft habe.
17. Tag, Sonntag, 6.11.2005
"Niger - Empfang an der Grenze! & Nacht der 1000 Wünsche!"
Tagwache 6.15 Uhr! Wir schaffen es vor 8.00 Uhr aufzubrechen. Es sind noch fast 200 km bis In Guezzan, der letzte Ort vor der Grenze zu Niger. Ab jetzt beginnt die zeit des "Helmut aus dem Sand ziehens"! Ich habe nach dem 8ten mal aufgehört zu zählen. Zum Schluss kann sogar nur mehr der Berliet helfen, da er eine Seilwinde hat, die lang genug ist. Kommen gegen 11.30 Uhr in In Guezzan an, erledigen unsere Formalitäten bei der Gendarmerie und erhalten bei der einzigen Tankstelle sogar ausreichend Diesel für alle unsere Autos. Hier stehen die Autos manchmal bis zu drei Tage an. Wir werden vorgelassen, da wir als Touristen nicht drei Tage warten können. Tja, so läuft das hier.
Nun kommt das "längste" und schwierigste Stück dieser drei Tage. Die fünf Kilometer bis zur Grenze sind ein Off Road Stück der Sonderklasse. Für den Toyota 4x4 und den Berliet wäre das ja kein Problem, nur für den Toyota Camry war das ab jetzt eine Tortur der Sonderklasse. Ich weiss nicht mehr, wie oft wir Helmut nun rausgezogen haben. Aber irgendwie haben wir den Grenzposten erreicht. Dieser steht inmitten von "nichts"! Links und rechts nur Wüste. Sollte man da ein paar Kilometer davon vorbeifahren wollen, es würde keinen auffallen. Wie auch, da ist ja niemand.
Letztendlich verlassen wir den algerischen Grenzposten gegen 16.30 Uhr. Es hat nicht lange gedauert. Noch 20 Minuten OffRoad bis zur Grenze von Niger.
Dort werden wir von Amani und Gefolgschaft, Freund von Eva und Christoph und Bürgermeister von Aderbissanat, schon erwartet. Wie auch immer. Nach 55 Minuten waren wir mit den Zollformalitäten fertig. Der Berliet wurde nicht geöffnet. Wir starten gleich in die Wüste zu einem netten Schlafplatz. Der einzigen kleinen Akazie weit und breit. Es war so entspannend, sich in die Hände von Freunden zu begeben. Amani kam mit Assanaga Hamadede und einem Soldaten. Es tat so gut, sich einmal nicht um das Essen kümmern zu müssen. Sondern sich aufs Helfen zu beschränken. Es tat so gut, sich einfach wohl aufgehoben zu fühlen. Wir hatten ein nettes kleines Lager und wir saßen noch recht lange um das Feuer herum. Christoph hatte viel mit Amani zu besprechen und ich kannte Assanaga Hamadede von Wien her und wir freuten uns, einander wieder zu sehen. Diese Nacht war die Nacht der 1000 Wünsche.....ich schlief lange nicht ein. Ich musste mir den Himmel ansehen, mit seinen unendlich vielen Sternen. Wer einmal eine Nacht in der Sahara verbracht hat, sieht so viele Sterne, wie wahrscheinlich das ganze Leben in Europa nicht. Über mir die Milchstrasse, die Venus leuchtet und so viele verschiedene Sternzeichen, die sich uns in Europa nie zeigen werden.
Es war die Nacht der 1.000 Wünsche. Hier fallen in einer einzigen Nacht so viele Sternschnuppen, um alle seine Wünsche unterzubringen. Ich habe alle meine untergebracht. Bis zur nächsten Nacht im Freien. Also, wenn ihr in die Wüste kommt, vergesst eure Wünsche nicht!
18. Tag, Montag, 7.11.2005
"Niger - Arlit & Endlich bei Eva in Agadez, ca 400 km"
Wir brechen um 7.30 Uhr auf. Gegen 6.00 Uhr wurde schon Feier gemacht. Ich war eh schon lange wach, nahm meine Matratze zum Feuer mit, um mich diesem morgendlichen flair hinzugeben. Und dann, auf einmal ganz schnell, war das Lager wieder abgebrochen. Unsere letzte Etappe von 400 km liegt vor uns.
Gegen 12.30 Uhr sehen wir die "Berge" von Arlit, die eigentlich keine sind. Das sind Berge vom Abfall der Uranminen. Aufgrund dessen ist schon alles im Umfeld ziemlich verstrahlt und die Menschen krank. Es gibt diesbezüglich momentan erhebliche Aktivitäten, darauf aufmerksam zu machen. Doch dazu werde ich vielleicht später noch mal was schreiben.
In Arlit machen wir halt, weil wir zur Gendarmerie müssen. Essen ein wenig etwas in einem kleinen Strassenrestaurant. Doch lange halten wir uns hier nicht auf. Früher war Arlit der Drehpunkt zu Europa. Denn alles was über die Grenze kam, war logischerweise in Arlit zuerst. Es war eine florierende Stadt. Jetzt leider nicht mehr. Sie ist gezeichnet von den Uranminen.
Die Weiterfahrt ist problemlos. Gegen 18.30 Uhr treffen wir bei Eva in Agadez ein.
Wir haben nun drei Länder (Italien, Tunesien, Algerien) durchfahren, haben drei Grenzen überschritten und sind ca. 4.230 km gefahren, die Distanz der Fähre nicht mitgerechnet.
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Ich danke allen, die meinem Bericht bis zu Ende gelesen haben. Wer sich nicht hier verewigen will - freue mich aber über jeden Kommentar -, der findet hier meine Kontaktdaten.
Über mein weiteres Leben hier in Agadez werde ich natürlich auch berichten. vielleicht nicht gerade täglich. Aber Wochenberichte zusammengefasst wird es sicherlich geben.
karola - 11. Nov, 02:05




